Baggern an der Notsee!
Nicht nur die Elbe wird ausgehöhlt, für Bremerhaven und Wilhelmshaven
wird ebenfalls gebaggert. Die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung des
Bundes (WSV) hat ihre Tätigkeit veröffentlicht im Portal Küstendaten:
https://www.kuestendaten.de/DE/Services/Nassbaggerarbeiten/Download/Download_node.html
Lobend zu erwähnen ist, dass die Daten auswertbar als Excel-Tabellen
geliefert werden. Zu den von Hopper-Baggern werden auch die durch
Wasserinjektion bewegten Volumina gelistet, und was das kostete.
Hier
zunächst die Statistiken für Elbe, Weser und Jade. Die Tabellen der WSV
werden in Diagrammen von RdE dargestellt. Die Tabellen-Mappe mit Daten
der WSV plus der Hafenbehörde Hamburg (HPA) wird von uns zum Download
angeboten, s.u..
Reviere
Abb. 1 Bewegte Volumina durch Saugbagger und Wasserinjektion der WSV
für den Jade-Weser-Port (Wilhemshaven). Die Baggerungen werden
überwiegend von dem WSV-eigenen Schiff NORDSEE durchgeführt. Verklappt
wird nördlich von Wangerooge.
Abb. 2 Bewegte Volumina durch Saugbagger und Wasserinjektion der WSV
für die Weser (Bremerhaven).
Abb. 3 Bewegte Volumina durch Saugbagger und Wasserinjektion der WSV
für die Elbe (Bundesstrecke).
Vergleich
Abb. 4 Bewegte Volumina durch Saugbagger und Wasserinjektion der WSV
für die Elbe (Bundesstrecke) sowie Gesamtkosten, Volumina durch
Saugbagger der HPA (Hafen, Delegationsstrecke) sowie Gesamtkosten
Daten der HPA werden nicht in direkt auswertbaren Formaten
angeboten, sondern als .pdf-Dateien. Es erfordert einen OCR-Scan und
viel Handarbeit, die Daten in einer Form wie Abb.4 zu erstellen. Seit
2020 nennt HPA die Baggermenge nur noch in Tonnen Trockensubstanz
(tTs). Selbstverständlich wird das Volumen zunächst im Laderaum des
Baggers, und parallel durch die Differenz von Vor- und Nachpeilung
bestimmt, sodann eine Probe gezogen und getrocknet, umständlich, aber
die Zahlen erscheinen viel kleiner. Sie wurden von RdE mit dem Faktor
2,4 multipliziert, um sie mit denen der WSV zu vergleichen. Die Provinz
Hamburg muckt gegen die Bundesbehörde auf. Die durch
Wasserinjektion und Schlickeggen bewegten Mengen werden nicht von HPA
angegeben. Beide Behörden haben nicht nach Mengen der primären
Vertiefung 2022-2021 der Elbe und denen der Aufrechterhaltung derSolltiefe aufgeschlüsselt.
Die Kosten werden von der WSV Jahr für Jahr, aufgeschlüsselt nach
Hopper und WI, in den Tabellen gelistet. Die Kosten der HPA müssen aus
den Jahresberichten einzeln herausgesucht werden.
Bilanz
| Revier |
Volumen m³ |
Kosten Euro |
| Jade WSV |
2001 – 2024 |
2001 – 2024 |
| Summe |
125,2 |
301,1 |
| Jahresmittel |
5,2 |
12,5 |
| max |
9,3 |
28,7 |
| Weser WSV |
2001 – 2024 |
2001 – 2024 |
| Summe |
187,3 |
487,1 |
| Jahresmittel |
7,8 |
20,3 |
| max |
10,4 |
28,9 |
| Elbe WSV |
2001 – 2024 |
2001 – 2024 |
| Summe |
384,7 |
1204,6 |
| Jahresmittel |
16,0 |
50,2 |
| max |
33,4 |
128,4 |
| Elbe HPA |
ohne 2001 |
nur 2017 - 2024 |
| Summe |
181,4 |
820,8 |
| Jahresmittel |
7,6 |
102,6 |
| max |
33,4 |
128,8 |
Vor dem Hintergrund der Aufwendungen der Bundesregierung wirkt das
Gequengel der Küstenländer, voran der Hamburger Bürgermeister
Tschenscher, die deutschen Häfen müssten endlich mit mehr als 38 Mio.
Euro/Jahr subventioniert werden, nur peinlich.
Emotionen bei der Arbeit
Die Hamburger Behörden machen es nicht leicht, sich mit ihnen sachlich
auseinander zu setzen. Hat man endlich alle notwendigen Daten
eingesammelt und wissenschaftlich ausgewertet, wird man als Bittsteller
betrachtet, dem die stets "objektiven" Fachleute ja helfen wollen,
alles "richtig" zu verstehen.
"Wenn Bürgerinnen und Bürger wissenschaftlichen
Erkenntnissen nicht vertrauen, fehlt die Grundlage für eine sachliche
Debatte. Diese Erfahrung hat auch die HPA an der Tideelbe gemacht",
wundert sich HPA, und hat deshalb ein
Gutachten von der Firma IFOK erstellen lassen.
"Einerseits müssen die Planungen auf einer sachlichen
Faktenbasis stehen, um Bedarfe und Vorgaben erfüllen zu können. Studien
und Gutachten liefern dafür die notwendigen Erkenntnisse. Dem gegenüber
stehen die Emotionen der Menschen vor Ort: Ängste und Befürchtungen,
die durch spürbare Veränderungen hervorgerufen werden. Es besteht also
ein Gegensatz zwischen der rationalen Perspektive auf der Planungsseite
und der emotionalen Perspektive auf der Betroffenenseite."
Da sitz ich nun als ängstlicher Betroffener, ärger mich über die
Schikanen von HPA, und erkenne nicht die wohlmeinende Sachlichkeit der
Behördemplanungen. Ein Dilemma! Der Gutachter empfiehlt:
"Menschen, die bereits stark durch die Projekthistorie
vorgeprägt sind, kann die HPA so jedoch nur schwer erreichen: Wenn
einmal Misstrauen entstanden ist, verstärkt jede weitere Studie den
Konflikt. Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden."
Diesen Satz sollten die Behördenmenschen auf sich beziehen. Sie sind
es, die in der Historie ihrer Projekte Misstrauen entwickelt haben,
Einwendungen als "unbegründet" abweisen (560mal im
Planfeststellungsbeschluss Elbvertiefung). Sie sind es, die Problemen
mit Ausreden und Gruselmärchen wie Oberwasserabfluss und
Kreislaufbaggerei begegnen. Dazu mehr im folgenden Kapitel.
weitere Informationen
Tabellen- und Diagrammmappe Baggerungen Jade, Weser, Elbe der WSV und HPA
Baggern und Verklappen, Auswertung RdE
weitere Webseiten RdE zum Baggern
Portal Küstendaten/Tideelbe der WSV
HPA Tideelbe Blog (Propaganda)